Social Nervworking
Geht es nur mir so? Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass es einfach zu viele “social communities” im Netz gibt. Angefangen hat das ganze bei uns damals doch mit StudiVZ, wenn ich mich recht erinnere? Dann kamen Facebook hinzu, “microblogging”-Dienste wie Twitter (die meiner Meinung nach nun wirklich überflüssig sind), mixi für die Japan-Affinen, MSN Spaces, etc. pp.
Es scheint als koche jeder Anbieter hier sein eigenes Süppchen, und als User erliegt man mehr oder weniger dem Gruppenzwang zu einer oder mehreren jener Communities anzugehören. Und so, obwohl ich offensichtlich kein Fan davon bin, habe ich selbst Accounts bei jedem der oben genannten sozialen Netzwerke. Warum? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so genau. Der einzige plausible Grund scheint mir die Tatsache zu sein, dass mittlerweile viele Menschen in meinem Umfeld, Freundeskreis nicht mehr auf herkömmliche Kommunikationskanäle wie eMail, Handy und Chat setzen, sondern sich lieber in den öffentlichen Raum der sozialen Netzwerke begeben um Nachrichten auszutauschen.
Ehrlich gesagt, mich nervt’s. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen geht ein großes Stück Privatsphäre verloren. Ich bin nun wirklich keiner dem Datenschutz über alles geht, ganz im Gegenteil. Aber wenn jeder “Friend” mein Profil mit jedem beliebigen – womöglich selbst hochgeladenen – Content verlinken kann, finde ich, dass das zu weit geht. Ausserdem, was geht es dritte an, worüber Person X, Y und Z mit mir reden? Eine private Nachrichtenfunktion? Ja, die gibt es. Allerdings habe ich meine Korrespondenz dann doch lieber in meinem eigenen eMail Postfach, dass ich beliebig verwalten und sortieren kann.
Zum anderen: Die ziemlich erbärmliche Selbstdarstellung vieler, die gerne gehört werden wollen obwohl sie im wahren Leben eigentlich nichts interessantes zu sagen haben. Möglicherweise ist dieser Nervfaktor der ausschlaggebende Grund gewesen, weshalb ich angefangen habe über Sinn und Unsinn solcher Communities nachzudenken. Ich lade jeden ein, sich einmal ganz selbstkritisch zu betrachten und sich zu fragen, ob man damit nicht gemeint sein könnte.
Desweiteren finde ich die Vielzahl solcher Netzwerke ein wenig problematisch. Einen eigenen Blog im Netz zu administrieren ist meiner Meinung nach einfacher, persönlicher und weniger zeitintensiv als all seine Profile bei Facebook, StudiVZ, twitter, mixi, MSN usw. usf. auf dem aktuellen Stand zu halten. Ich frage mich, woher sich so viele Leute diese Zeit nehmen…
So, jetzt wird natürlich der ein oder andere daherkommen und sagen “Na, dann lösch doch deinen Account und gut is!”. Ja, darüber habe ich mir ernsthaft Gedanken gemacht. Der Grund weshalb ich diesen Schritt bisher nicht gewagt habe, ist wohl einfach der, dass auch ich diesem Zwang der Gruppe unterliege. Ausserdem sind mir auch die Vorteile – und ich denke jetzt da hauptsächlich an Facebook – bewusst. Beispielsweise können Veranstaltungen, Partys, etc. einfacher organisiert werden, ohne dass man Einladungen und Rückmeldungen einzeln per eMail verschicken bzw. einsammeln muss. Da sehe ich klar einen Vorteil. Und als Student kennt und liebt man dieses Feature sowieso. Daneben ist es auch Fakt, dass man durch Statusmeldungen anderer oftmals an nützliche Infos kommen kann. Dies hat wie bereits erwähnt eben leider nur den faden Beigeschmack, dass überproportional viel Informationsmüll rausgehauen wird.
Tja, was ist also mein Fazit? Accounts löschen? Mehr Freizeit in die Produktion von Informationsmüll stecken?
Eher nicht. Soweit es möglich war, habe ich diesen Blog jetzt eben über diverse Plugins mit Facebook, twitter, mixi und MSN vernetzt, sodass die Administration jeder einzelnen Profilseite nun nicht mehr in zu großem Maße erforderlich ist.
Immerhin etwas.

12. März 2010 um 22:35
Das ist mal eine Art der twitter Nutzung, an die ich zugegebenermaßen noch nicht gedacht habe. Ist ja auch okay so, jedem das seine.
Was mich daran nur stören würde: Du hast keinen Einfluß darauf, dass twitter vielleicht mal irgendwann pleite geht oder so. In dem Fall wären nämlich alle deine Posts vermutlich verloren. Dieses Problem hast du im Prinzip mit jeder öffentlichen Platform, die nicht deine eigene ist. Daher lobe ich mir meinen selbst aufgesetzten Wordpress Blog!
12. März 2010 um 22:18
Ich stimme dir da voll und ganz zu! Ich finds auch krass wie extrem das alles geworden ist! Ich bin ja nun auch bei Studi, Facebook, Twitter, irgendwie kann man sich dem Sog nicht entziehen. Angst was zu verpassen? Wahrscheinlich. Allerdings was würde man schon groß verpassen? Das Herr XXX ein Furz klemmt? Oder Frau XXX sich neue Schuhe gekauft hat? :/
Zu Twitter muss ich allerdings sagen: Ich twitter eigentlich eher für mich selbst. Ich finde die Zeichenbeschränkung gut, weil ich ziemlich schreibfaul bin, aber dennoch gerne meine Tweets zurückverfolge um zu schaun was ich hier und da so gedacht und gefühlt hab. Ob das jemand liest ist mir relativ egal. Aber es stimmt schon, viel zu viele Attention-Whores da draussen.
Ich frag mich: Wo ist das gute alte Web 1.0? Internetforen, IRC und seine eigene Homepage, das waren noch Zeiten